Samstag, 9. April 2016

Ungeborenentötung - Abtreibung



Eine meiner Ex-Freundinnen stellte vor dem ersten Sex klar:
"Wenn was schiefgeht, und ich schwanger werde, werde ich auf keinen Fall abtreiben."
Ich war damals jung und dumm, und willigte ein, ohne mir über die Konsequenzen im klaren zu sein. Heute ist mein Motiv ein anderes: Wenn eine Frau zu erkennen gibt, dass sie abtreiben könnte, kommt sie für mich als Sexpartnerin nicht mehr in Betracht, und das, obwohl ich kein Kind will. Mit anderen Worten: Meine Haltung zu Abtreibung ist im Grunde zu meinem eigenem Nachteil - denn eine ungewollte Schwangerschaft ist auch für den Mann mit massiven Nachteilen verbunden.

Denn wenn ein Mann gegen seinen Willen Vater wird, bedeutet das, dass er zur Verantwortung gezogen wird. Wo sich die Frau von ihrer Verantwortung lossagen kann, wird er in die Pflicht genommen, über Jahrzehnte für Frau und Kind zu arbeiten. Oder andersrum: Dass ein Mann die Abtreibung seines Kindes als Mord empfinden könnte, was ihn traumatisiert, ist ebenfalls ein Tabuthema, über das keiner redet. Egal, wie seine Position ist, er hat die Entscheidung der Schwangeren hinzunehmen und zu akzeptieren. Dies kann unter anderem ein schwerwiegenden Eingriff in sein Selbstbestimmungsrecht bedeuten, besonders, wenn er gezwungen wird, für das Kind zu zahlen.

Wo der Mann in die Pflicht genommen wird, stehen der Frau alle Möglichkeiten offen. Sie kann sich entscheiden, das Kind auszutragen oder zu töten. Wenn sie es zwar austrägt, aber keine Mutter sein will, stehen ihr zusätzlich die Optionen offen, das Kind anonym zu gebären oder eine Babyklappe zu nutzen. Dies ist ein Vorrecht der Frau als Herrin über Leben und Tod, wie es sich auch in der übrigen Justiz zeigt, in welcher Frauen grundsätzlich weniger hart als Männer bestraft werden.

Oft wird hierbei vom "Selbstbestimmungsrecht" der Frau gesprochen, doch wer spricht vom Lebensrecht des Ungeborenen? Das eine betrifft neun Monate, das andere ein ganzes Leben - mal vom massiven Eingriff in das Selbstbestimmungsrecht des (potentiellen) Vaters abgesehen.

Bei der Frage danach, ob eine Abtreibung erlaubt sein soll oder nicht, lenkt sich der Blick unweigerlich auf den ungeborenen Menschen. Diesem wird im feministischen Diskurs kein Lebensrecht zuerkannt, er wird als "Zellhaufen" benannt oder gar krasser noch als "Parasit" (Simone de Beauvoir- "Das andere Geschlecht"). Der Punkt ist nur, dass ein "echter" Parasit keine Anstalten unternimmt, mal ein vollwertiger Mensch zu werden und Steuern zu zahlen, geliebt wird und selber liebt.
Lebt schon, fühlt schon, nach feministischer Auffassung aber ohne Lebensrecht: heute tot.
Beliebt bei Abtreibungsbefürwortern ist dabei die Argumentation, dass das Ungeborene noch keinen Überlebenswillen ausgedrückt hätte und ohne Ich-Bewusstsein sei. Nun, auch geistig Behinderte, Demente oder Komatöse sind vielleicht ohne Ich-Bewusstsein und äußern ihren Lebenswillen nicht, ohne dass man sie einfach ermorden dürfte. Selbst einen Suizidalen, einen Menschen also, der nicht mehr leben will, darf man nicht einfach töten. Es ist verlogen, dem Ungeborenen das Lebensrecht abzusprechen, obwohl es mit nahezuer Garantie in der Zukunft ein Überlebenswillen ausspricht. Viele Feministen sind Tierschützer, gar Tierrechtler; hier wird das Leben eines Tieres über das eines Menschen gestellt.

Es erscheint wohl nicht nur mir unbegreiflich, daß bei Forschungen an in vitro erzeugten Embryonen schärfste Verbote zur Geltung kommen, während das Kind im Mutterleib so gut wie keinen Schutz genießt (Georg Friedenberger)

Der Punkt ist: Der Embryo, der Fötus ist bereits ein vollwertiger Mensch, nur halt in einem frühen Entwicklungsstadium. Der Embryo, der ich mal war, das war ich. Das war kein Zellhaufen oder Parasit, das war ein Ich in einer frühen Zeit. Und so wie mir mein Körper heute gehört, gehörte mir - und nicht meiner Mutter - mein damaliger Körper, auch wenn er nur ein verachteter "Zellhaufen" war, von dem Femofaschisten gerne reden. Wir entwickeln uns nicht zum Menschen, wir entwickeln uns als Mensch.

Die Zeit schreibt:
Die Mädchentötung – auch als "Genderzid" oder "Femizid" bezeichnet – sei kein grausames, patriarchalisches Kulturerbe, sondern eine Folge des Sittenverfalls in einer Konsumgesellschaft.
Hierbei geht es um Abtreibung von Mädchen in Indien und China. Ein "Genderzid" oder "Femizid" bezeichnet aber einen geschlechtsspezifischen Massen-mord. Wir dürfen also festhalten:

Abtreibung ist Mord

(freilich wird sich die "Zeit" sofort davon distanzieren)

Mit dem Abtreibungsrecht werden Frauen zu Herrinnen über Leben und Tod befördert. Ein solches Recht findet sich sonst nirgendwo. Und das hat Folgen: Erst darf die Frau töten, wenn sie möchte, dann darf sie "ihr" Kind dem Vater vorenthalten - das Kind bzw. Ungeborene ist Eigentum der Mutter, und im kapitalistischen System gehört es dazu, dass man sein Eigentum willkürlich verwenden darf, einschließlich, es zu vernichten. Der Slogan "Mein Bauch gehört mir" lautet in Wirklichkeit: "Mein Ungeborenes gehört mir" - allerdings wäre dies wohl zu verräterisch...

Und wie geht es weiter?

Friedenberger schreibt:
Wer das Lebensrecht nicht allen menschlichen Wesen zuerkennt,
gibt die Idee von der Menschenwürde auf und läßt an ihre Stelle
seinen Schätzwert bestimmter Funktionen treten.
Tatsächlich haben sich einige "Philosophen" bereits dahingegen geäußert, dass ein Neugeborenes kein Lebensrecht genießt:
Neugeborene seien moralisch mit Föten gleichzusetzen. Sie seien zwar Menschen und potentielle Personen, aber noch keine Personen, die einen moralischen Anspruch auf Leben hätten.
Dorthin geht es weiter...

Kommentare:

  1. War ein interessanter Artikel, danke.

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  2. Das ist ein schwieriges Thema, dass man durchaus etwas differenzierter sehen sollte. "Abtreibung ist Mord!" ist auch die Geisteshaltung der katholischen Kirche. Selbst in Afrika, wo es Massenvergewaltigungen, große Armut und AIDS gibt.

    In Chile steht Abtreibung immer noch unter Strafe. Ohne wenn und aber. Die Folge ist ein riesiger Schwarzmarkt von Abtreibungs-Pharmazeutika, Ärzte-Quacksalber oder Frauen, die sich in den Bauch boxen lassen. Es gibt eben durchaus medizinische und auch ethische Gründe für eine Abtreibung.

    In Deutschland gibt es sicherlich auch Teenager, die sich wenig dabei denken und dann einfach abtreiben, wen es "ungünstig" ist. Ob das die Mehrheit der Frauen ist, glaube ich aber nicht. Ich persönlich kenne auch einige Frauen, die Fehlgeburten hatten oder einfach nicht schwanger werden, obwohl sie es wollen. Sie leiden auch darunter.

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    1. Ich argumentiere aber nicht katholisch sondern femninistisch: Es sind Feministen, die feststellen, dass Abtreibung Mord ist, wenn sie sagen, dass massenhafte Abtreibung ein "Femizid" darstellt, also einen Massen-mord. Aber das schrieb ich schon.

      Mein ganzer Artikel kommt ohne Bezug auf Religion aus. Mit der katholischen Politik bin ich nicht einverstanden, besonders, was ihre Haltung zu Verhütung angeht.

      Im Übrigen ist es ein Mythos, dass es keinen Unterschied mache, ob Abtreibung erlaubt oder verboten ist. Wäre Abtreibung verboten, wir hätten nicht rund 100.000 Abtreibungen im Jahr.

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    2. Abtreibung ist verboten, wird aber nicht geahndet.

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  3. Interessanter Artikel. Wie es sich für den Mann bzw. Vater in spe anfühlt, wenn die Mutter gegen den eigenen Willen abtreibt, habe ich hier (selbst erlebt) aufgeschrieben:

    "Ich wurde abgetrieben"

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  4. Ich bin heilfroh, nicht in dem Thema zu stecken. Meine beiden Nachwüchse waren beide erwünscht.

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  5. Ich bin heilfroh, nicht in dem Thema zu stecken. Meine beiden Nachwüchse waren beide erwünscht.

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